OUTDOOR
E-BOOK
LENA HASE
„Einst
verließ
eine
Familie
aus
dem
Osten
ihre
Heimat.
Sie
hatten
nämlich
beschlossen
die
Pixi
Mountains
zu
durchqueren
um
auf
der
anderen
Seite,
also
im
Westen
ein
neues Leben zu beginnen…“
„Das war jetzt aber sehr dramatisch“, kommentierte
Susanne ihre Gefühle.
„Lass den Kutscher doch weitererzählen, liebes
Cousinchen“, sagte Monika und nickte dem Kutscher
gebieterisch zu.
„Ihr
müsst
wissen
das
es
sich
bei
den
Pixi
Mountains
um
ein
unbeschreiblich
großes
Gebirgsmassiv
handelt.
Seine
Durchquerung
nimmt
Wochen,
wenn
nicht
gar
Monate
in
Anspruch,
und
das
auch
nur
bei
allerbester
Vorbereitung
und
erstklassigster
Ausrüstung.
Jederzeit
muss
mit
den
absurdesten
Wetterumbrüchen
gerechnet
werden.
Der
klarste
Himmel
kann
sich
an
diesem
verwunschenen
Ort
von
einem
Moment
auf
den
anderen
in
ein
Ereignis
aus
Gewitterwolken
verwandeln
aus
denen
Blitz
und
Donner
mit Saus und Gebraus auf die Erde herniederprasseln…“
„Sehr spannend“, spottete Susanne gespielt gelangweilt.
„Was kann man in so einem Fall tun?“ Fragte der Graf
konzentriert.
„Gewiss
nicht
viel“,
sagte
der
Kutscher,
„es
gibt
nur
ganz
wenige,
in
Legenden
besungene
Heldengestalten
die
dort
überhaupt
etwas
tun
können.
Aber
zurück
zu
der
Familie
aus
dem
Osten.
Diese
Leute
nahmen
exakt
all
das
auf
sich
was
ja
schon
mal
sehr
erstaunlich
ist
aber
genau
genommen
geht
es
in
dieser
Geschichte
um
ein
siebzehnjähriges
Mädchen.
Ihr
Name
war,
glaube
ich,
Goldhaar.“
„Jetzt wird es wirklich spannend“, steigerte sich der Graf
hinein.
„Wieso Goldhaar“, bohrte Susanne nach.
„Seid jetzt sofort ruhig“, fauchte Monika, „weitererzählen,
Kutscher!“
„Also
hört
jetzt
zu“,
berichtete
der
Kutscher
weiter,
„einen
Siedlertrek
muss
man
sich
anders
vorstellen
als
eine
Postkutschenfahrt.
Die
machen
nicht
kurz
Pause,
fahren
dann
ein
bisschen
weiter
und
machen
dann
gleich
wieder
Pause,
sondern
die
fahren
ganz
weite
Strecken
auf
einmal
und
campieren
dann
oft
für
mehrere
Tage.
Die
Familie
um
die
es
hier
geht
schlug
also
ihr
Lager
auf
und
die
Eltern
schickten
ihre
Tochter
Goldhaar
los
um
Feuerholz
zu
suchen.
Goldhaar
machte
sich
natürlich
sogleich
auf
den
Weg
um
ihre
Mission
zu
erfüllen.
Man
könnte
jetzt
meinen
das
einem
in
der
Wildnis
das
Feuerholz
nur
so
vor
die
Füße
springt
und
diese
Arbeit
schnell
erledigt
sei,
aber
ganz
so
einfach
ist
es
nicht.
Entweder
ist
das
Holz
zu
feucht
oder
zu
groß
oder
man
findet
nur
winzige,
dürre
Zweige
und
so
begab
sich
Goldhaar
immer
tiefer
in
das
menschenleere
Land.“
„Kann man sich da nicht verlaufen? Was würde in so
einem Fall geschehen?“ Fragte der Graf fachmännisch.
„Verlaufen
kann
man
sich
in
der
Wildnis
nicht
weil
man
sich
ständig
markante
Bezugspunkte
einprägt,
aber
trotzdem,
wer
will
sich
schon
Löcher
in
die
Sohlen
latschen“, erläuterte der Kutscher und erzählte weiter.
„Das
Mädchen
lief
also
durch
ein
kleines
Kiefernwäldchen,
dann
weiter
über
eine
karg
bewachsene,
steinige
Ebene
die
in
Buschwerk
überging
um
sich
schließlich
durch
dichte,
hochgewachsene
Sträucher
hindurchzukämpfen
und
das
alles
nur
für
ein
kleines
Bündel
Feuerholz.
So
ging
es
an
guten
Tagen
dahin.
Und
jetzt
denkt
euch
einen
Blizzard
dazu
oder
einen
schaurigen
Wolkenbruch,
also
ich
bin
heilfroh
das
man
hier
bei
uns
von
solchen
Unwettern
verschont bleibt.“
„Hat es die Familie über die Pixi Mountains geschafft“,
fragte Puppe neugierig.
„Ja, das haben sie“, sagte der Kutscher, „sie erreichten
das Land von dem sie so viel in ihrer Heimat gehört
hatten.“
„Und was wurde aus Goldhaar“, fragte der Graf.
„Die Geschichte ist jetzt zu Ende“, sagte der Kutscher.
„So geht das aber nicht“, protestierte Monika, „wir
wollen sofort wissen was aus Goldhaar geworden ist!“
„Gut,
ich
erzähle
weiter“,
sagte
der
Kutscher,
„aber
auf
eure
Verantwortung.
Goldhaar
war
also
in
diesem
Land,
welches
so
viele
Möglichkeiten
zu
bieten
hatte,
angekommen
und
sie
konnte
es
gar
nicht
erwarten
all
ihre
Träume
zu
verwirklichen.
Sie
wollte
eine
Tanzschule
eröffnen
und
eine
Schneiderei
für
modische
Kleider
und
eine
Kunstgalerie.
Außerdem
hatte
sie
die
Idee
zu
einem
philosophischen
Netzwerk
wo
Menschen
ihre
Ideen
und
Visionen verbreiten konnten.“
„Da wäre ich gerne dabei gewesen“, verlor sich
der Graf in Begeisterung.
„Leider kam aber alles anders“, sprach der Kutscher
weiter, „denn Goldhaar konnte keine einzige ihrer Ideen
verwirklichen.“
So
hatte
sich
das
nun
aber
keiner
vorgestellt.
Alle
forderten
irgendwie
ein
Happy
End
ohne
das
direkt
zu
sagen
aber
der
Kutscher
sollte
zunächst
weiterberichten,
vielleicht
kam ja alles noch ins Lot…
„Es
gibt
Menschen
die
haben
immer
Pech“,
erzählte
der
Kutscher,
„so
war
es
auch
bei
Goldhaar.
Statt
sich
etwas
aufbauen
zu
können
wurde
sie
stattdessen
von
vielen
Schicksalsschlägen
heimgesucht
die
selbst
der
stärkste
Mensch
nicht
bewältigen
kann.
Ein
gewöhnlicher
Mensch
wäre
nicht
einmal
in
der
Lage
die
mentale
Kraft
aufzubringen
um
von
solch
niederschmetternden
Ereignissen
zu
berichten
ohne
selbst
dabei
seelischen
Schaden
zu
nehmen.
Statt
ihre
Träume
zu
verwirklichen
verlor
Goldhaar
ihr
komplettes
Hab
und
Gut
und
besaß
am
Ende
keinen
einzigen
Groschen
mehr
um
fortan
ihr
Leben
in
bitterer
Armut
zu
fristen,
was
natürlich
alles
andere
als
der ursprüngliche Plan gewesen war…“
„Aber dann war der ganze mühevolle Weg über die Pixi
Mountains umsonst“, sagte Puppe erschüttert.
„Das
dachten
alle“,
sagte
der
Kutscher,
„aber
es
wusste
ja
auch
keiner
was
Goldhaar
damals
als
siebzehnjähriges
Mädchen in den Pixi Mountains wirklich erlebt hatte.“
Alle lauschten jetzt gebannt und unter Hochspannung um
kein Detail der weiteren Erzählung zu verpassen.
„Goldhaar
wurde
ja
damals
zum
Holzsuchen
losgeschickt
und
gelangte
dabei
in
dieses
von
Sträuchern
zugewucherte
Gebiet.
Vielleicht
war
es
ja
Neugierde
oder
Jugendlicher
Übermut
aber
sie
ging
immer
weiter
in
das
dichte
Geäst
und
musste
dabei
mit
einiger
Gewalt
die
Zweige
wegdrücken
um
vorwärts
zu
kommen.
Aber
irgendwann
hatte
sie
den
Wildwuchs
durchdrungen
und
sie
konnte
nicht
glauben,
oder
ich
würde
fast
sagen
begreifen,
was
sie
dann
sah.
Vor
ihr
erstreckte
sich
ein
See
dessen
Wasser
so
klar
schimmerte
als
würde
es
sich
seid
Anbeginn
aller
Zeiten
an
diesem
Ort
befinden.
Am
Horizont
erhoben
sich
gewaltige
Berge
dessen
schneebedeckte
Gipfel
sich
mit
dem
Blau
des
Himmels
vereinten
und
von
oben
herab
sandte
die
Sonne
ihr
hellstes
Licht
welches
die
Landschaft
in
ein
atemberaubendes
Farbenmeer
verwandelte.
Dann
zog
sich
Goldhaar
ganz
nackt
aus
und
schritt
langsam
auf
das
flache
Kiesufer
zu.
Ihre
Füße
berührten
das
eiskalte
Nass
und
sie
spürte
wie
eine
magische
Kraft
ihren
Körper
durchflutete.
Sie
gleitete
bäuchlings
ins
Wasser,
tauchte
unter
und
als
sie
wieder
an
die
Oberfläche
kam
umgab
sie
ein
Zauber
aus
Farb-
und
Lichtspiel
und
im
nächsten
Augenblick,
so
als
wäre
nichts
geschehen,
war
alles
nichts
weiter
als
ein
türkisfarbener
See
in
einer
lieblichen
Landschaft.
Dann
zog
sich
Goldhaar
wieder
an
und
ging
zu
ihrem
Lager
zurück
wo
sie
so
tat
als
wäre
nichts
geschehen.
Aber
glaubt
mir
das
eine“,
sagte
der
Kutscher,
„gegen
nichts
im
Universum
hätte
Goldhaar
eingetauscht
was
sie
damals
in
den
Pixi
Mountains erlebt hatte.“
Es vergingen einige Sekunden besinnlichen Schweigens.
„Und wo ist dieser See“, fragte Susanne und tat so als
würde sie das nur beiläufig interessieren.
„Das möchte ich jetzt aber auch gerne erfahren“, sagte der
Graf.
„In den Pixi Mountains“, antwortete der Kutscher.
„Was soll das jetzt wieder“, sagte Monika schroff, „wir
brauchen eine ganz präzise Wegbeschreibung.“
„Hört
mal“,
sagte
der
Kutscher,
„ich
selbst
kenne
nur
die
Postwege.
Aber
diesbezüglich
kann
ich
euch
jede
Information
erteilen.
Es
gibt
halt
nur
keinen
Weg
der
zu
diesem See führt. Tut mir wirklich leid.“
Dann stiegen der Kutscher und der Zwerg wieder auf den
Wagen. Sie hatten viel Zeit verloren und die Weiterfahrt
war längst überfällig.
„Alle Passagiere bitte einsteigen“, rief der Kutscher, „wir
fahren jetzt los!“
So
ging
es
also
eine
Weile
dahin,
vorbei
an
Feldern
und
Wiesen
und
Hainen
und
hier
und
da
schmückte
das
eine
oder
andere
geheimnisvolle
Bauwerk
die
Landschaft
dessen
rätselhafter
Zweck
dem
Betrachter
zumeist
verborgen blieb.
„Seht,
meine
Damen“,
sagte
der
Graf
und
zeigte
zum
Fenster
hinaus,
„welch
imposanter
Torbogen
mit
den
beiden Türmen links und rechts.“
Alle, auch Puppe und Hase lehnten sich aus dem Fenster.
„Überwältigend“, meinte Susanne.
„Ein Meisterwerk der Baukunst. So vollendet als habe es
sich selbst erschaffen“, schwärmte der Graf.
„Sie sind ja ein wahrer Kunstästhet“, schmeichelte
Monika anerkennend.
„Nicht alle gleichzeitig aus dem Fenster strecken“, rief
der Kutscher hastig seinen Passagieren zu, „wir bekommen
Schlagseite!“
Und in der Tat drohte die Kutsche beinahe
umzukippen. Schnell huschten alle in die Kabine zurück.
„Wisst
ihr
was“,
sagte
Susanne,
„wir
kommen
ja
vom
Jahrmarkt
und
reisen
zum
Schlossball.
Wieso
soll
die
Fahrt dort hin nicht auch gleich ein Fest werden.“
„Und der Fußbereich ist die Tanzfläche“, lächelte der
Graf höflich erquickt.
Susanne
wühlte
in
ihrer
Handtasche
und
zog
einen
kleinen
Papierhut
hervor
den
sie
dem
Hasen
aufsetzte
und
steckte
ihm dann eine Spielzeugtrompete in den Mund.
„Sieht unser Hase nicht herzig aus“, meinte sie.
Alle
waren
über
diesen
Anblick
verzückt
und
Monika
pustete
dem
Grafen
mit
einer
Faschingströte
ins
Gesicht.
Auf einmal hatte Susanne einen absoluten Geistesblitz.
„Wir spielen Verstecken!“ Rief sie.
Diese Idee war grandios! Monika wollte die Erste sein.
„Bitte alle die Augen zuhalten“, sagte sie und alle hielten
ihre Hände vors Gesicht.
Als
sie
die
Hände
wieder
wegnahmen
war
Monika
tatsächlich
verschwunden.
Erst
sahen
sie
unter
den
beiden
Sitzbänken nach, aber da war sie schon mal nicht.
Dann riefen sie zum Kutscher hinaus: „Hast du Monika
gesehen?“
Aber
dafür
hatte
der
jetzt
gerade
keine
Nerven.
Schließlich
bemerkte
der
Graf
den
aufgespannten
Rüschenschirm
auf
der Sitzbank und dahinter hockte tatsächlich Monika.
„Meine Liebe“, frohlockte der Graf, „haben sie uns
vielleicht einen Schrecken eingejagt.“
Susanne
und
Monika
warfen
Konfetti
aus
der
Kutsche
und
pusteten
in
ihre
Faschingströten.
Dabei
lachten
sie
sich
halb
kaputt.
Schließlich
stimmten
sie
Scherzlieder
an
und
ihr Gegröle hallte übers ganze Land.
Als sich die Kutsche der nächsten Poststation näherte
lief ihnen aufgeregt der Stationsvorsteher entgegen.
„Kutscher! Zwerg!“ Schrie er lauthals und winkte wie
verrückt mit den Armen.
Alle
fragten
sich
natürlich
was
das
nun
schon
wieder
zu
bedeuten
hatte.
Der
Kutscher
zügelte
sein
Gespann
und
stellte
die
Kutsche
an
der
Station
ab
wo
der
Vorsteher
nach
Atem rang.
„Kutscher,
Zwerg“,
rief
dieser
und
schnappte
dabei
verzweifelt
nach
Luft,
„es
geht
um
den
verarmten
Grafen!
Reist
er
mit
euch?
Meine
Rede
ist
von
Graf
August
von
Bienensaus!“
„Er ist im Wagen“, sagte der Kutscher, „wenn dir das
weiterhilft.“
Die Cousinen sahen den Grafen an.
„Verarmter Graf? Haben wir da richtig gehört“,
meinte Susanne wenig gefällig.
„Also sind sie gar kein echter Graf“, tadelte Monika.
„Oh
doch,
ich
bin
ein
echter
Graf“,
berichtigte
der
Adlige,
„allerdings
besitze
ich
nicht
das
geringste
Vermögen.
Ist
mir das jetzt vielleicht peinlich.“
Die Cousinen ergötzten sich an der Scham des Grafen.
„Draußen erwartet sie bereits die Öffentlichkeit. Dort
können sie sich dann vor allen Leuten blamieren“, spottete
Susanne.
Der Graf klemmte sich regelrecht in der Kutsche fest.
Freiwillig würde er garantiert nicht aussteigen.
So
lange
war
er
nun
schon
durchs
Land
gereist,
von
einem
Hof
zum
anderen
ohne
dabei
selbst
ein
eigenes
Zuhause
zu
haben
und
er
hatte
es
dennoch
die
ganze
Zeit
geschafft
sein
Ansehen
in
der
Gesellschaft
der
Aristokratie
zu
bewahren.
Bis
zum
heutigen
Tag
also,
und
jetzt,
mit
einem
Schlag
fiel
sein
filigranes
Adligen-Image
einfach
in
sich
zusammen,
er
war dem Nervenzusammenbruch nah…
Bis auf den Grafen hatten mittlerweile alle die Kutsche
verlassen.
„Herr Graf, Herr Graf“, redete der Stations-
vorsteher in die Fahrgastkabine hinein, „es geht um
ein wichtiges Dokument. Wir versuchen schon die ganze
Zeit es ihnen zuzustellen, aber sie sind ja immer wo anders.
Dieses Schreiben ist mittlerweile schon kreuz und quer
durchs ganze Land gereist.“
Der Graf gab keinen Mucks von sich.
„In diesem bedeutenden Schreiben werden ihnen
Ländereien zugesprochen, so hören sie doch“, erklärte der
Mann, „es ist wichtig!“
Auf
einmal
traute
sich
der
Graf
nun
doch
aus
seinem
Versteck
heraus.
Der
Postangestellte
hielt
dem
Adligen
sogleich die Urkunde unter die Nase.
„Sehen
sie“,
erklärte
er
hastig,
„sie
haben
Anspruch
auf
die
hier
niedergeschriebenen
Besitztümer.
Aber
es
bleibt
ihnen
nur
noch
ein
Tag
um
alles
geltend
zu
machen.
Daher
meine
Eile.“
„Ihre Eile war berechtigt“, stimmte der Graf zu und sah
sich den Brief genauer an.
„Verstehe, ich muss mit diesem Dokument persönlich
beim Amt erscheinen, so, so…“ murmelte der Edelmann.
Allerdings lag das zuständige Amt in der
entgegengesetzten Richtung zum Schloss wo ja die anderen
eigentlich alle hinwollten.
„Liebe Cousinen, liebe Puppe und lieber Hase“, begann der
Graf, „was haltet ihr von einer Änderung unseres
Reiseziels?“
„Und wir dürfen dafür auf den Schlossball
verzichten wo wir eigentlich selbst was vor haben“,
argumentierte Monika.
„Nun meine Damen“, versicherte der Graf, „ich
werde sie selbstverständlich großzügig entschädigen.“
„Diese Entschädigung muss schon außergewöhnlich groß
ausfallen“, sagte Susanne trotzig.
„Unser Reiseziel… wie redet der, unerhört“, meinte
Monika.
„Meine Damen, ich bitte sie, so hören sie doch“, flehte
der Graf, „ich bitte sie natürlich vielmals um
Entschuldigung…“
„Nun“, überlegte Susanne, „wenn sie öffentlich und vor
ganz vielen Leuten eine umfangreiche
Entschuldigungsrede halten…“
„Selbstverständlich, meine Damen“, versprach der
Graf, „gewiss doch!“
„Gut“,
meinte
Monika,
„wir
stellen
ihnen
unsere
Kutsche
für
die
Erledigung
ihrer
Angelegenheit
zur
Verfügung
und
warten
so
lange
an
dieser
Poststation
bis
sie
zurückkommen.
Hoffentlich
erreichen
wir
trotzdem
noch
rechtzeitig den Ball.“
„Dort
halte
ich
dann
auch
die
Entschuldigungsrede
an
sie“,
versicherte
der
Graf,
„und
nochmals
ganz
vielen
lieben
Dank meine Damen!“
Die
Kutsche
wendete
also
und
fuhr
in
schnellem
Trab
mit
dem
Grafen
davon
und
ließ
Puppe,
Hase
und
die
Cousinen
Susanne und Monika
an der Poststation zurück.
Später fragte Susanne den Stationsvorsteher wie weit
die nächste größere Ortschaft zu Fuß weg sei denn sie
hatte da so eine Idee.
Sie würden dort nämlich auf die Kutsche warten und
brachen sogleich zu dem zweistündigen Fußmarsch auf.
Als sie das kleine Städtchen endlich erreicht hatten
unterbreitete Susanne ihren Begleitern in vollem Umfang
ihr Vorhaben.
„Hier werden wir unsere Reisekasse aufbessern“,
erklärte sie, „den wir haben keinen einzigen Groschen
mehr.“
„Und wie stellst du dir das vor“, fragte Monika.
„Ganz
einfach“,
sagte
Susanne,
„wir
werden
auch
einen
Jahrmarkt
veranstalten.
Aber
diesmal
geben
wir
kein
Geld
aus, sondern wir nehmen welches ein.“
Alles
war
aufs
genaueste
durchdacht.
Das
eigentliche
Event
wäre
dann
am
Spielplatz
wo
Hase,
von
Susanne
instruiert,
Kunststücke
vorführen
würde.
Er
wäre
sozusagen
die
Hauptattraktion
der
Show
zu
der
man
jetzt
nur
noch
viele
Leute
anlocken
musste.
Dazu
klapperten
Susanne
und
Monika
alle
Hotels
und
Gasthäuser
ab
wo
sie
das
Ereignis
für den heutigen Nachmittag ankündigten.
Und tatsächlich fanden sich mehrere Besucher am
Spielplatz ein um die Show zu sehen.
Großartig, dachten sich Susanne und Monika, und das
schon beim ersten Event.
Monika
begrüßte
die
Gäste:
„Herzlich
Willkommen!
Sie
werden
heute
Dinge
zu
sehen
bekomme
von
den
sie
nicht
einmal gewusst haben das es sie überhaupt gibt. Applaus!“
Dann trat Susanne vor die Leute.
„Wenn
ihnen
die
Show
heute
gefällt
bitten
wir
sie
um
eine
bescheidene
Spende.
Für
diesen
Zweck
haben
wir
eine
Blechdose
dort
drüben
hingestellt“,
erklärte
sie
dem
Publikum.
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