Herziges und Abenteuerliches
E-BOOK
 LENA HASE
LENA HASE
„Das ist unerhört“, schrillte Monika und schmetterte ihren Schläger zu Boden. Susanne ergötzte sich am Zorn ihrer Cousine sichtlich was diese nur noch um so wütender machte. „Genauso verhält sich eine schlechte Verliererin, liebes Cousinchen“, provozierte Susanne weiter. Doch   da   ließ   sich   Monika   dann   doch   nicht   weiter   darauf   ein   sondern   wandte   stattdessen   eine   in   der   Welt   des   gehobenen   Niveaus gängige Strategie an. „Allerliebstes   Cousinilein“,   flötete   Monika   auf   einmal   in   der   bezaubernsten   Stimmlage   die   überhaupt   denkbar   ist,   „genau   wie   ich seid ja auch ihr eine leidenschaftliche Liebhaberin erlesener Literatur, wie von niemanden je in Abrede gestellt werden kann.“ Susanne   ließ   ihren   Spott   zunächst   einmal   ruhen,   konnte   aber   eine   restliche   Erheiterung   nicht   ganz   unterdrücken.   Zunächst einmal war ja an Monikas Aussage auch alles vollkommen richtig. Was also hatte sie vor? Bekannterweise   verreisen   Aristokratinnen   wie   Susanne   und   Monika   stets   mit   sehr   viel   Gepäck,   schließlich   wollen   sie   ja   auch   in der   Ferne   auf   keine   ihrer   gewohnten   heimischen   Annehmlichkeiten   verzichten.   Und   eine   dieser   Annehmlichkeiten   ist   der   Luxus einer kleinen Reisebibliothek mit einer Auswahl sinneserfrischender Bücher für alle Lebenslagen. Sogleich   holte   Monika   ein   gezielt   ausgewähltes   Buch   aus   der   Büchertasche   und   legte   es,   weil   ja   kein   Tisch   da   war   auf   den   Boden, beugte sich tief nach unten und las den Titel vor. „Gutes Benehmen, heißt diese Buch“, sagte sie, „bestimmt steht hier auch etwas über Federball.“ Neugierig kamen alle näher um das Buch zu betrachten.
Susanne   setzte   sich   mit   dem   Buch,   bei   dem   es   sich   eigentlich   um   einen   Heubodenfund   handelte,   aber   dazu   später,   auf   den Picknickkorb und begann vorzulesen. „Also hier steht“, erklärte sie, „dass beim Federballspiel niemand verspottet werden darf…“ „Steht das da wirklich“, fragte Puppe nach. „Darf  man  sich  eigentlich  einfach  so  auf  einen  Picknickkorb  setzen“,  fragte der Zwerg kritisch,  „wenn das Buch ja Gutes Benehmen heißt?“ Susanne blätterte im Buch und wurde fündig. „Das ist in der Tat erlaubt“, erörterte sie, „nur reinsetzen ist verboten, je nach dem was man an hat…“ „In eine Brennnessel reinsetzen ist voll super“, mischte sich Monika ein. „So weit ich mich erinnere wolltet ihr eigentlich Federball spielen“, sagte der Kutscher. „So   ist   es“,   wandte   sich   Susanne   an   alle,   „wir   sollten   also   nicht   rumalbern   sondern   uns   besinnen   um   was   es   hier   in   Wirklichkeit geht…“ „Und um was“, fragte Puppe. „Ganz   einfach“,   erklärte   Susanne,   „es   handelt   sich   schließlich   um   das   erste   Raststätten-Federballtunier   -   und   wir   haben   es   ins Leben gerufen. Ich sehe jetzt schon wie ganz viele Menschen zukünftig, nur wegen uns, an diesen Ort strömen werden.“ „Dann lass uns verdammt noch mal weiterspielen“, sagte Monika energisch, „wo ist der Federball.“
Alle sahen sich um. Wo war der Federball auf einmal hin? Hatte er sich etwa in Luft aufgelöst? „Da! Das Pony steht drauf“, rief plötzlich der Zwerg, der ihn als erster entdeckt hatte. „Äh…“, Susanne und Monika stand der Mund offen. „Ich glaube der ist hinüber“, meinte der Kutscher und kommentierte damit eigentlich nur das Offensichtliche. Dann hob Susanne Monikas Schläger auf und stellte fest das auch dieser irreparable Schäden aufwies. „Das warst auch du“, klagte sie ihre Cousine an. „Du kannst ja deinen Schläger immer noch verwenden“, empörte sich Monika über Susannes Vorwurf. Dann beugte sie sich zum zermatschten Federball hinunter um ihre Cousine demonstrativ zu ignorieren. „Wenn die Damen ihr Turnier beendet haben schlage ich vor die Weiterreise anzutreten“, sagte der Kutscher nach einer Weile. „In welch edlen Worten der Herr Kutscher dies vorgetragen hat“, nuschelte Monika, und redete dabei eigentlich mit ihrem Federball. Es   kam   nun   zu   einer   dieser   kuriosen   Situationen   die   bei   großer   Ratlosigkeit   entsteht   und   niemand   so   recht   weiß   was   er   tun   soll: Alle standen irgendwo hinblickend in der Gegend herum um auf diese Art und Weise so unauffällig wie möglich zu wirken. Wer   weiß   wie   lange   dieser   Zustand   angehalten   hätte   aber   bald   näherte   sich   eine   Kutsche   der   Picknickgesellschaft.   Hase   machte hoppelnd Platz und die Luxuskutsche eines geheimnisvollen Edelmannes hielt an.
Er   sah   sich   wohlwollend   um,   sondierte   den   Gesamteindruck   und   stand   dann   auf   dem   Kutschbock   auf   um   einen   freundlichen Gruß in die Runde zu werfen. „Welch   herrliches   Reisewetter!   Meine   Damen,   ich   grüße   sie   und   ihre   charmante   Reisebegleitung,   Kutscher   und   Zwerg,   meine Hochachtung…“ Dann sprang der Adlige mit einem eleganten Hopser von seiner Sportkutsche. „Wohin reisen die Damen, wenn diese bescheidene Frage erlaubt sei…“ „Wir wollen beim Schlossball mitmachen“, erklärte Monika. „Die    Damen    werden    mit    ihrer    Anwesenheit    dieses    berühmte    Fest    ehren,    ich    bin    entzückt.    Ich    selbst    komme    gerade    vom Jahrmarkt aus dem nächste Dorf. Es finden ja so viele Feste heutzutage statt.“ „Dort ist auch ein Fest?“ Fragte Puppe. „Ja,   in   der   Tat“,   berichtete   der   Edelmann,   „ein   Jahrmarkt   mit   allen   nur   erdenklichen   Attraktionen.   Drunter   und   drüber   geht   es dort, die ganze Gegend ist auf den Beinen.“ „So wie bei unserem Federballturnier“, spottete Susanne über Monika als wäre alles allein ihre Idee gewesen. „Aber meine Damen“, beschwichtigte der Graf, „das haben sie doch überhaupt nicht nötig.“ „Der    Jahrmarkt    befindet    sich    auf    dem    Weg    zum    Schloss“,    erklärte    der    Kutscher,    „aber    wir    haben    nur    einen    begrenzten Aufenthalt. Wollt ihr das Volksfest trotzdem besuchen?“ „Ja“, sagte Susanne entschlossen, „wir möchten zum Jahrmarkt und zum Schlossball.“
„Eine   vorzügliche   Entscheidung“,   schmeichelte   der   Graf,   „auch   ich   gedenke   mich   nun   eurer   Runde   anzuschließen.   Am   besten fahre   ich   voraus.   Auf   meiner   besonders   hochwertigen   und   schnellen   Kutsche   ist   aber   nicht   genug   Platz   für   alle   auf   einmal   und daher   schlage   ich   vor   das   jeder   mal   abwechselnd   bei   mir   mitfährt.   Also   Puppe   und   Hase,   die   beiden   ehrbaren   Damen   sowie   der Herr Zwerg und der Herr Kutscher damit sich alle an meinem grandiosen Wagen erfreuen können.“ Es   gibt   Leute,   wie   den   Grafen,   wenn   die   erst   mal   ins   Reden   kommen   dann   stehen   alle   anderen   meist   recht   sprachlos   da   vor Überwältigung.    Susanne    und    Monika    kam    es    langsam    so    vor    als    würde    der    Graf    so    einiges    dafür    tun    um    interessant rüberzukommen. Und dann besaß er ja auch noch diese Superkutsche, dagegen musste man erst mal ankommen… Alle staunten als der Graf auf seine Kutsche hinaufstieg. „Ich werde zunächst wenden und dann können die ersten beiden Reisenden zusteigen“, instruierte der Graf. Im   selben   Moment   knirschte   das   Holz   der   Rennkutsche   und   die   Räder   knickten   nach   innen   ab.   Normal   war   das   schon   mal nicht…   Einen   Augenblick   später   krachte   das   Fahrgestell   komplett   zusammen   und   der   Edelmann   saß   nun,   die   Zügel   noch   fest   in seinen   Händen   haltend,   auf   seinem   Kutschbock   auf   der   Erde   während   ein   Reifen   einen   Hang   hinunterrollte   und   schließlich zwischen zwei Büschen stecken blieb. Susanne   und   Monika   kreischten   vor   Spott   und   Hase   kannte   sich   nun   gerade   überhaupt   nicht   aus.   Die   Cousinen   kosteten   ihre Schadenfreude in vollen Zügen aus, welch hochjauchzendes Fest für ihre Sinne dieser Anblick doch war. Der Graf rappelte sich auf und sah sich verdutzt um. „Ja, äh…“ „Dieses   Gefährt   besteht   aus   minderwertigen   Holz“,   erklärte   der   fachkundige   Kutscher,   „welches   auf   Hochglanz   gebracht   wurde um ein schillerndes Erscheinungsbild zu bewirken.“
In   diesem   Moment   erreichte   das   schadenfreudige   Gekreische   der   Cousinen   einen   für   das   Gehör   eines   Menschen   nicht   mehr wahrnehmbaren Frequenzbereich. Als    sich    die    Lage    beruhigt    hatte    einigte    man    sich    auf    folgendes    Vorgehen:    Der    Graf    würde    mit    der    Postkutsche    bis    zum Jahrmarkt   mitfahren   und   sein   Pferd   sollte   solange   bei   der   Raststätte   bleiben   und   dann   würde   man   einfach   sehen   was   sich   so ergibt. Eine in ihrem Gesamtkonzept gut durchdachte Idee also… Über   der   Ortseinfahrt   nach   Katzhausen   war   ein   schmuckes   Spruchbanner   gespannt.   „Herzlich   Willkommen   zum   diesjährigen Jahrmarkt“   stand   dort   in   einladenden   Schriftzügen   geschrieben   und   darunter   „Strömt   herein   in   großer   Zahl   zur   kunterbunten Damenwahl“ und unter diesem Schriftband wiederum fuhren Susanne und Monika in ihrer Postkutsche in das Dorf hinein. „Huh, was für ein Geschaukel“, stöhnte Monika, „der Kutscher versteht sein Handwerk.“ „Meine   lieben   Freundinnen“,   sagte   der   Graf,   „sie   werden   sehen   das   ich   ihnen   nicht   zu   viel   versprochen   habe.   Das   Angebot   an Attraktionen auf diesem Fest wird sie in allergrößtes Staunen versetzten.“ Und   in   der   Tat,   der   Graf   hatte   nicht   übertrieben.   Überall   spielte   Musik,   Akrobaten   traten   auf,   es   gab   ein   Karussell   und   mehrere Süßigkeitenbuden,   ach   ja,   eine   Riesenrutsche,   Luftballons   in   Hülle   und   Fülle   und   Zelte   in   denen   Zauberer   und   Sensationen   aller Art   bewundert   werden   konnten   und   vieles,   vieles   mehr…   Puppe   und   Hase   konnten   es   gar   nicht   erwarten   sich   ins   Getümmel   zu stürzen. „Hör   mich   an“,   sagte   der   Kutscher,   „ich   werde   bei   der   Poststation   auf   euch   warten,   aber   wir   müssen   heute   noch   weiter,   weil   ich bin ja Postkutschenfahrer und nicht Ausflugsunternehmer.“
„Wir kommen pünktlich in mehreren Stunden“, versicherte Susanne und verschwand sogleich mit ihren Freunden in der Menschenmenge. „Seht, meine Lieben“, sagte der Graf, „eine Bude mit Geschicklichkeitsspielen. Ich werde euch jetzt zeigen was ich so kann.“ Susanne   und   Monika   machte   das   eher   ein   wenig   skeptisch   und   misstrauisch:   Erstens   einmal   waren   Puppe   und   Hase   ihre Lieblinge und überhaupt, wen wollte er mit seinem Können beeindrucken, sich selbst, oder was? Der Graf zahlte dem Spielleiter der Wurfbude einen Groschen und erhielt dafür drei Wattebäusche. „Ich   erkläre   jetzt   alles“,   sagte   der   Graf,   „an   der   Zielwand   sind   ja   diese   beiden   dicht   aneinander   liegenden   Luftballons   befestigt. Es   muss   mir   nun   gelingen   die   Wattekugeln   so   gegen   die   Ballons   zu   werfen   das   sie   dazwischen   steckenbleiben.   Wenn   ich   das schaffe   darf   ich   mir   einen   der   hier   ausgestellten   Preise   aussuchen.   Was   möchtest   du   haben,   Hase?   Einen   Luftballon   oder   ein Stofftier?   Und   wie   wäre   es   mit   einem   süßen   Lebkuchenherz   für   dich,   liebe   Puppe.   Eine   der   edlen   Sektflaschen   für   die   Damen, treffen sie ihre Wahl!“ Angespannt   betrachteten   die   Cousinen   die   prall   aufgeblasenen   Zielballons.   Würde   ein   Wattebausch   direkt   auf   einen   Ballon treffen   hätte   das   einen   dumpfen,   paukenartigen   Ton   zur   Folge,   träfe   der   Bausch   aber   direkt   zwischen   die   Ballons   ergäbe   das   aber einen für den Gewinn entscheidenden ploppenden Ton… Natürlich   hielt   sich   die   Festtagsgesellschaft   nicht   ausschließlich   an   der   Wurfbude   auf,   auch   die   Riesenrutsche   wurde   ausprobiert und   auf   dem   Karussell   machten   alle   gleich   mehrere   Fahrten   mit.   All   das   ging   allmählich   in   Tanz   und   Gesang   über   bis   der Gruppe schließlich auffiel das es längst Abend geworden war. Sie   mussten   sofort   zur   Kutsche   zurück,   wenn   die   überhaupt   noch   da   war.   Der   Schlossball   würde   jedenfalls   bestimmt   nicht   zu ihnen kommen, soviel stand fest.
Alle eilten los und sie hatten Glück, die Kutsche stand noch beim Postamt. Doch wo waren der Kutscher und der Zwerg? Schnell ging die Gruppe in das Stationshaus wo sie die beiden dann auch, bei wenig guter Laune, an einem Tisch sitzend vorfanden. „Wir können jetzt losfahren“, sagte Monika. „Tatsächlich“, meinte der Kutscher, „und das nach nur sieben Stunden Wartezeit. Wie soll ich meinen Dank in Worte fassen?“ „Lieber Herr Kutscher“, sagte der Graf beschwichtigend, „ich  übernehme die volle Verantwortung für unsere  Verspätung. Sie  können  sich  nicht  vorstellen  was  wir  für  einen  Spaß  hatten.  Ich  entschuldige  mich nochmals umfänglich für alles und bedenken sie doch wieviel Freude der Hase hatte…“ Das   sollte   ja   auch   jedem   vergönnt   sein,   erklärte   der   Kutscher,   aber   ans   Weiterreisen   war   so   spät   trotzdem   nicht   mehr   zu   denken und so übernachteten alle in der Poststation um am nächsten Morgen so früh wie möglich aufzubrechen. Die Fahrt ging in gewohnter Holprigkeit dahin und die morgendliche Luft wehte erfrischend durch die geöffneten Fenster. „Eine herrliche Landschaft“, sagte Susanne. „Da haben sie recht, meine Liebste“, bestätigte der Graf, „auch ich reise gerne auf dieser Strecke.“ „Und sie sind ein echter Graf“, fragte Monika nach. „In der Tat“, sagte der Adlige lächelnd, „was mich aber nicht vor Wagenpannen bewahrt.“
„Eine Wagenpanne“, spottete Susanne, „wie geistvoll das so zu formulieren.“ „Liebste, sie machen Geschichten“, frohlockte der Graf, „freut ihr euch auch schon alle auf den Schlossball?“ „Ja“, sagte Puppe und Hase stimmte zu. „Der   pure   Luxus   erwartet   sie   dort,   meine   Damen“,   erzählte   der   Graf   schmeichelhaft,   „und   du   Puppe   und   Hase   könnt   den   Leuten dann vom gestrigen Jahrmarkt berichten.“ „Und von der Wagenpanne des Herrn Grafen“, ergänzte Susanne. Puppe und Hase saßen mit Lebkuchenherz und Luftballon neben dem Grafen und Susanne und Monika auf der Bank gegenüber. „Wie herzig ihr beiden ausseht“, sagte Monika anerkennend zu Puppe und Hase. „Und   was   für   ein   schönes   Lebkuchenherz   und   was   für   einen   tollen   Luftballon   ihr   bekommen   habt,   hinreißend“,   mischte   sich auch der Graf dazwischen. „Wer für eine Pause ist hebt jetzt die Hand“, wechselte Susanne das Thema. Alle zeigten auf. „Dann sind wir und ja einig. Kutscher! Anhalten!“ Rief Susanne hinaus. Der Kutscher zügelte das Gespann und alle stiegen aus. „Das scheint ja ein recht abgelegener Ort zu sein“, meinten die Cousinen. „Die   nächste   Poststation   ist   noch   eine   ganze   Weile   entfernt“,   erläuterte   der   Kutscher,   „hier   gibt   es   weit   und   breit   rein   gar   nichts. Außer dieser Straße“, fügte er noch hinzu.
„Seht mal“, sagte Monika und zeigte zum Horizont. „Du meinst bestimmt die Wolken“, sagte der Kutscher. Dann fiel es auch den anderen auf. Es schienen ganz besondere Wolken zu sein, zart weißlich mit seidenem Glanz. „In dieser Richtung liegen die Pixi Mountains“, erklärte der Kutscher. „Und dort fahren wir jetzt durch?“ Fragte Susanne. „Nein“, sagte der Kutscher, „den Weg durch dieses Gebirge kennen nur wenige. Wir bleiben auf unserer Straße.“ „Leben dort Menschen“, fragte Monika neugierig. „Das würde ich so nicht sagen…“, meinte der Kutscher. „Was   soll   das   für   eine   Formulierung   sein?   Wir   wollen   sofort   wissen   was   es   mit   diesen   Bergen   auf   sich   hat“,   forderte   Susanne, „lebt dort wer oder nicht?“ „In   solch   unwirklichen   Gegenden   können   eigentlich   nur   noch   die   Mountain   Men   überleben“,   sagte   der   Kutscher   und   machte dann     einen     geheimnisvollen     Gesichtsausdruck,     „aber     davon     abgesehen     hat     sich     vor     langer     Zeit     tatsächlich     etwas außergewöhnliches in diesen Bergen ereignet. Aber das zu erzählen wäre zu dramatisch.“ „Jetzt nicht weiterzuerzählen wäre dramatisch“, sagte Susanne in wenig freundlichem Tonfall. „Wir   wollen   die   Geschichte   sofort   erfahren!   Was   hat   sich   vor   langer   Zeit   dort   ereignet?   Wir   sind   sehr   Dramaresistent“,   bedrängte Monika den Kutscher. „Also gut“, begann der Kutscher und alle spitzten die Ohren.
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OUTDOOR
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„Das  ist  unerhört“,  schrillte  Monika  und  schmetterte  ihren Schläger zu Boden. Susanne  ergötzte  sich  am  Zorn  ihrer  Cousine sichtlich was diese nur noch um so wütender machte. „Genauso  verhält  sich  eine  schlechte Verliererin, liebes Cousinchen“, provozierte Susanne weiter. Doch   da   ließ   sich   Monika   dann   doch   nicht   weiter   darauf ein    sondern    wandte    stattdessen    eine    in    der    Welt    des gehobenen Niveaus gängige Strategie an. „Allerliebstes    Cousinilein“,    flötete    Monika    auf    einmal    in der   bezaubernsten   Stimmlage   die   überhaupt   denkbar   ist, „genau    wie    ich    seid    ja    auch    ihr    eine    leidenschaftliche Liebhaberin   erlesener   Literatur,   wie   von   niemanden   je   in Abrede gestellt werden kann.“ Susanne   ließ   ihren   Spott   zunächst   einmal   ruhen,   konnte aber   eine   restliche   Erheiterung   nicht   ganz   unterdrücken. Zunächst    einmal    war    ja    an    Monikas    Aussage    auch    alles vollkommen richtig. Was also hatte sie vor? Bekannterweise    verreisen    Aristokratinnen    wie    Susanne und   Monika   stets   mit   sehr   viel   Gepäck,   schließlich   wollen sie    ja    auch    in    der    Ferne    auf    keine    ihrer    gewohnten heimischen   Annehmlichkeiten   verzichten.   Und   eine   dieser Annehmlichkeiten        ist        der        Luxus        einer        kleinen Reisebibliothek     mit     einer     Auswahl     sinneserfrischender Bücher für alle Lebenslagen. Sogleich   holte   Monika   ein   gezielt   ausgewähltes   Buch   aus der   Büchertasche   und   legte   es,   weil   ja   kein   Tisch   da   war   auf den   Boden,   beugte   sich   tief   nach   unten   und   las   den   Titel vor. „Gutes    Benehmen,    heißt    diese    Buch“,    sagte   sie, „bestimmt steht hier auch etwas über Federball.“ Neugierig kamen alle näher um das Buch zu betrachten.
Susanne    setzte    sich    mit    dem    Buch,    bei    dem    es    sich eigentlich    um    einen    Heubodenfund    handelte,    aber    dazu später, auf den Picknickkorb und begann vorzulesen. „Also  hier  steht“,  erklärte  sie,  „dass  beim  Federballspiel niemand verspottet werden darf…“ „Steht das da wirklich“, fragte Puppe nach. „Darf   man   sich   eigentlich   einfach   so   auf   einen  Picknickkorb setzen“, fragte der Zwerg kritisch, „wenn das Buch ja Gutes Benehmen heißt?“ Susanne blätterte im Buch und wurde fündig. „Das ist in der Tat erlaubt“, erörterte sie, „nur reinsetzen ist verboten, je nach dem was man an hat…“ „In eine Brennnessel reinsetzen ist voll super“, mischte sich Monika ein. „So   weit   ich   mich  erinnere  wolltet  ihr  eigentlich  Federball spielen“, sagte der Kutscher. „So   ist   es“,   wandte   sich   Susanne   an   alle,   „wir   sollten   also nicht   rumalbern   sondern   uns   besinnen   um   was   es   hier   in Wirklichkeit geht…“ „Und um was“, fragte Puppe. „Ganz     einfach“,     erklärte     Susanne,     „es     handelt     sich schließlich   um   das   erste   Raststätten-Federballtunier   -   und wir   haben   es   ins   Leben   gerufen.   Ich   sehe   jetzt   schon   wie ganz   viele   Menschen   zukünftig,   nur   wegen   uns,   an   diesen Ort strömen werden.“ „Dann  lass  uns  verdammt  noch mal weiterspielen“,  sagte Monika energisch, „wo ist der Federball.“
Alle  sahen  sich  um. Wo war der Federball auf einmal  hin? Hatte er sich etwa in Luft aufgelöst? „Da! Das Pony steht drauf“, rief plötzlich der Zwerg, der ihn als erster entdeckt hatte. „Äh…“, Susanne und Monika stand der Mund offen. „Ich glaube der ist hinüber“,  meinte  der  Kutscher  und  kommentierte damit eigentlich nur das Offensichtliche. Dann  hob  Susanne  Monikas  Schläger auf und stellte  fest das auch dieser irreparable Schäden aufwies. „Das warst auch du“, klagte sie ihre Cousine an. „Du kannst ja deinen Schläger immer noch verwenden“, empörte sich Monika über Susannes Vorwurf. Dann   beugte   sie   sich   zum   zermatschten  Federball  hinunter um ihre Cousine demonstrativ zu ignorieren. „Wenn die Damen ihr Turnier beendet haben schlage  ich vor die  Weiterreise  anzutreten“, sagte  der Kutscher nach einer Weile. „In  welch  edlen  Worten  der  Herr  Kutscher  dies  vorgetragen hat“,  nuschelte  Monika,   und  redete  dabei eigentlich mit ihrem Federball. Es   kam   nun   zu   einer   dieser   kuriosen   Situationen   die   bei großer    Ratlosigkeit    entsteht    und    niemand    so    recht    weiß was   er   tun   soll:   Alle   standen   irgendwo   hinblickend   in   der Gegend   herum   um   auf   diese   Art   und   Weise   so   unauffällig wie möglich zu wirken. Wer   weiß   wie   lange   dieser   Zustand   angehalten   hätte   aber bald    näherte    sich    eine    Kutsche    der    Picknickgesellschaft. Hase   machte   hoppelnd   Platz   und   die   Luxuskutsche   eines geheimnisvollen Edelmannes hielt an.
Er       sah       sich       wohlwollend       um,       sondierte       den Gesamteindruck   und   stand   dann   auf   dem   Kutschbock   auf um einen freundlichen Gruß in die Runde zu werfen. „Welch   herrliches   Reisewetter!   Meine   Damen,   ich   grüße   sie und   ihre   charmante   Reisebegleitung,   Kutscher   und   Zwerg, meine Hochachtung…“ Dann sprang der Adlige mit einem eleganten Hopser  von seiner Sportkutsche. „Wohin  reisen  die  Damen, wenn diese bescheidene  Frage erlaubt sei…“ „Wir   wollen   beim   Schlossball   mitmachen“,   erklärte Monika. „Die     Damen     werden     mit     ihrer     Anwesenheit     dieses berühmte   Fest   ehren,   ich   bin   entzückt.   Ich   selbst   komme gerade   vom   Jahrmarkt   aus   dem   nächste   Dorf.   Es   finden   ja so viele Feste heutzutage statt.“ „Dort ist auch ein Fest?“ Fragte Puppe. „Ja,   in   der   Tat“,   berichtete   der   Edelmann,   „ein   Jahrmarkt mit    allen    nur    erdenklichen    Attraktionen.    Drunter    und drüber geht es dort, die ganze Gegend ist auf den Beinen.“ „So wie bei unserem Federballturnier“, spottete Susanne über Monika als wäre alles allein ihre Idee gewesen. „Aber  meine  Damen“,  beschwichtigte  der  Graf,  „das  haben sie doch überhaupt nicht nötig.“ „Der   Jahrmarkt   befindet   sich   auf   dem   Weg   zum   Schloss“, erklärte     der     Kutscher,     „aber     wir     haben     nur     einen begrenzten    Aufenthalt.    Wollt    ihr    das    Volksfest    trotzdem besuchen?“ „Ja“,  sagte  Susanne  entschlossen,  „wir  möchten  zum Jahrmarkt und zum Schlossball.“
„Eine   vorzügliche   Entscheidung“,   schmeichelte   der   Graf, „auch   ich   gedenke   mich   nun   eurer   Runde   anzuschließen. Am     besten     fahre     ich     voraus.     Auf     meiner     besonders hochwertigen   und   schnellen   Kutsche   ist   aber   nicht   genug Platz   für   alle   auf   einmal   und   daher   schlage   ich   vor   das jeder   mal   abwechselnd   bei   mir   mitfährt.   Also   Puppe   und Hase,   die   beiden   ehrbaren   Damen   sowie   der   Herr   Zwerg und     der     Herr     Kutscher     damit     sich     alle     an     meinem grandiosen Wagen erfreuen können.“ Es   gibt   Leute,   wie   den   Grafen,   wenn   die   erst   mal   ins   Reden kommen   dann   stehen   alle   anderen   meist   recht   sprachlos da     vor     Überwältigung.     Susanne     und     Monika     kam     es langsam   so   vor   als   würde   der   Graf   so   einiges   dafür   tun   um interessant   rüberzukommen.   Und   dann   besaß   er   ja   auch noch   diese   Superkutsche,   dagegen   musste   man   erst   mal ankommen… Alle staunten als der Graf auf seine Kutsche hinaufstieg. „Ich  werde  zunächst  wenden und dann können die  ersten beiden Reisenden zusteigen“, instruierte der Graf. Im   selben   Moment   knirschte   das   Holz   der   Rennkutsche und   die   Räder   knickten   nach   innen   ab.   Normal   war   das schon    mal    nicht…    Einen    Augenblick    später    krachte    das Fahrgestell    komplett    zusammen    und    der    Edelmann    saß nun,   die   Zügel   noch   fest   in   seinen   Händen   haltend,   auf seinem   Kutschbock   auf   der   Erde   während   ein   Reifen   einen Hang      hinunterrollte      und      schließlich      zwischen      zwei Büschen stecken blieb. Susanne    und    Monika    kreischten    vor    Spott    und    Hase kannte   sich   nun   gerade   überhaupt   nicht   aus.   Die   Cousinen kosteten   ihre   Schadenfreude   in   vollen   Zügen   aus,   welch hochjauchzendes   Fest   für   ihre   Sinne   dieser   Anblick   doch war.   Der Graf rappelte sich auf und sah sich verdutzt um.  „Ja, äh…“ „Dieses      Gefährt      besteht      aus      minderwertigen      Holz“, erklärte   der   fachkundige   Kutscher,   „welches   auf   Hochglanz gebracht   wurde   um   ein   schillerndes   Erscheinungsbild   zu bewirken.“
In      diesem      Moment      erreichte      das      schadenfreudige Gekreische     der     Cousinen     einen     für     das     Gehör     eines Menschen nicht mehr wahrnehmbaren Frequenzbereich. Als    sich    die    Lage    beruhigt    hatte    einigte    man    sich    auf folgendes   Vorgehen:   Der   Graf   würde   mit   der   Postkutsche bis   zum   Jahrmarkt   mitfahren   und   sein   Pferd   sollte   solange bei   der   Raststätte   bleiben   und   dann   würde   man   einfach sehen   was   sich   so   ergibt.   Eine   in   ihrem   Gesamtkonzept   gut durchdachte Idee also… Über   der   Ortseinfahrt   nach   Katzhausen   war   ein   schmuckes Spruchbanner     gespannt.     „Herzlich     Willkommen     zum diesjährigen      Jahrmarkt“      stand      dort      in      einladenden Schriftzügen   geschrieben   und   darunter   „Strömt   herein   in großer    Zahl    zur    kunterbunten    Damenwahl“    und    unter diesem   Schriftband   wiederum   fuhren   Susanne   und   Monika in ihrer Postkutsche in das Dorf hinein. „Huh,  was  für  ein  Geschaukel“, stöhnte Monika,  „der Kutscher versteht sein Handwerk.“ „Meine   lieben   Freundinnen“,   sagte   der   Graf,   „sie   werden sehen   das   ich   ihnen   nicht   zu   viel   versprochen   habe.   Das Angebot    an    Attraktionen    auf    diesem    Fest    wird    sie    in allergrößtes Staunen versetzten.“ Und   in   der   Tat,   der   Graf   hatte   nicht   übertrieben.   Überall spielte   Musik,   Akrobaten   traten   auf,   es   gab   ein   Karussell und        mehrere        Süßigkeitenbuden,        ach        ja,        eine Riesenrutsche,   Luftballons   in   Hülle   und   Fülle   und   Zelte   in denen    Zauberer    und    Sensationen    aller    Art    bewundert werden   konnten   und   vieles,   vieles   mehr…   Puppe   und   Hase konnten    es    gar    nicht    erwarten    sich    ins    Getümmel    zu stürzen. „Hör    mich    an“,    sagte    der    Kutscher,    „ich    werde    bei    der Poststation   auf   euch   warten,   aber   wir   müssen   heute   noch weiter,     weil     ich     bin     ja     Postkutschenfahrer     und     nicht Ausflugsunternehmer.“
„Wir    kommen    pünktlich    in    mehreren    Stunden“, versicherte Susanne und verschwand sogleich mit ihren Freunden in der Menschenmenge. „Seht,    meine    Lieben“,    sagte    der    Graf,    „eine    Bude    mit Geschicklichkeitsspielen.   Ich   werde   euch   jetzt   zeigen   was ich so kann.“ Susanne   und   Monika   machte   das   eher   ein   wenig   skeptisch und   misstrauisch:   Erstens   einmal   waren   Puppe   und   Hase ihre   Lieblinge   und   überhaupt,   wen   wollte   er   mit   seinem Können beeindrucken, sich selbst, oder was? Der  Graf  zahlte  dem  Spielleiter  der  Wurfbude  einen  Groschen und erhielt dafür drei Wattebäusche. „Ich   erkläre   jetzt   alles“,   sagte   der   Graf,   „an   der   Zielwand sind      ja      diese      beiden      dicht      aneinander      liegenden Luftballons     befestigt.     Es     muss     mir     nun     gelingen     die Wattekugeln    so    gegen    die    Ballons    zu    werfen    das    sie dazwischen   steckenbleiben.   Wenn   ich   das   schaffe   darf   ich mir    einen    der    hier    ausgestellten    Preise    aussuchen.    Was möchtest    du    haben,    Hase?    Einen    Luftballon    oder    ein Stofftier?   Und   wie   wäre   es   mit   einem   süßen   Lebkuchenherz für   dich,   liebe   Puppe.   Eine   der   edlen   Sektflaschen   für   die Damen, treffen sie ihre Wahl!“ Angespannt       betrachteten       die       Cousinen       die       prall aufgeblasenen   Zielballons.   Würde   ein   Wattebausch   direkt auf     einen     Ballon     treffen     hätte     das     einen     dumpfen, paukenartigen   Ton   zur   Folge,   träfe   der   Bausch   aber   direkt zwischen   die   Ballons   ergäbe   das   aber   einen   für   den   Gewinn entscheidenden ploppenden Ton… Natürlich      hielt      sich      die      Festtagsgesellschaft      nicht ausschließlich       an       der       Wurfbude       auf,       auch       die Riesenrutsche   wurde   ausprobiert   und   auf   dem   Karussell machten    alle    gleich    mehrere    Fahrten    mit.    All    das    ging allmählich    in    Tanz    und    Gesang    über    bis    der    Gruppe schließlich auffiel das es längst Abend geworden war. Sie     mussten     sofort     zur     Kutsche     zurück,     wenn     die überhaupt   noch   da   war.   Der   Schlossball   würde   jedenfalls bestimmt nicht zu ihnen kommen, soviel stand fest.
Alle eilten los und sie hatten Glück, die Kutsche stand  noch beim Postamt. Doch wo waren der Kutscher und der Zwerg? Schnell  ging  die  Gruppe in das Stationshaus wo sie die beiden dann auch, bei wenig guter Laune, an einem Tisch sitzend vorfanden. „Wir können jetzt losfahren“, sagte Monika. „Tatsächlich“, meinte der Kutscher, „und das nach  nur sieben Stunden Wartezeit. Wie soll ich meinen Dank in Worte fassen?“ „Lieber  Herr  Kutscher“,   sagte  der    Graf  beschwichtigend,  „ich     übernehme   die   volle  Verantwortung    für unsere Verspätung.  Sie  können sich nicht vorstellen was wir für einen Spaß hatten.  Ich entschuldige  mich  nochmals  umfänglich  für  alles  und bedenken sie doch wieviel Freude der Hase hatte…“ Das    sollte    ja    auch    jedem    vergönnt    sein,    erklärte    der Kutscher,   aber   ans   Weiterreisen   war   so   spät   trotzdem   nicht mehr     zu     denken     und     so     übernachteten     alle     in     der Poststation   um   am   nächsten   Morgen   so   früh   wie   möglich aufzubrechen. Die  Fahrt  ging  in  gewohnter  Holprigkeit  dahin und die morgendliche Luft wehte erfrischend durch die  geöffneten Fenster. „Eine herrliche Landschaft“, sagte Susanne. „Da haben sie recht, meine Liebste“, bestätigte der Graf,  „auch ich reise gerne auf dieser Strecke.“ „Und sie sind ein echter Graf“, fragte Monika nach. „In der Tat“, sagte der Adlige lächelnd, „was mich aber  nicht vor Wagenpannen bewahrt.“
„Eine Wagenpanne“, spottete Susanne, „wie geistvoll  das so zu formulieren.“ „Liebste, sie machen Geschichten“, frohlockte der Graf,  „freut ihr euch auch schon alle auf den Schlossball?“ „Ja“, sagte Puppe und Hase stimmte zu. „Der   pure   Luxus   erwartet   sie   dort,   meine   Damen“,   erzählte der   Graf   schmeichelhaft,   „und   du   Puppe   und   Hase   könnt den Leuten dann vom gestrigen Jahrmarkt berichten.“ „Und von der Wagenpanne des Herrn Grafen“, ergänzte Susanne. Puppe und Hase saßen mit Lebkuchenherz und Luftballon neben dem Grafen und Susanne und Monika auf der Bank gegenüber. „Wie    herzig    ihr    beiden    ausseht“,    sagte    Monika anerkennend zu Puppe und Hase. „Und    was    für    ein    schönes    Lebkuchenherz    und    was    für einen   tollen   Luftballon   ihr   bekommen   habt,   hinreißend“, mischte sich auch der Graf dazwischen. „Wer für eine Pause ist hebt jetzt die Hand“, wechselte  Susanne das Thema. Alle zeigten auf. „Dann sind wir und ja einig. Kutscher! Anhalten!“  Rief Susanne hinaus. Der Kutscher zügelte das Gespann und alle stiegen aus. „Das scheint ja ein recht abgelegener Ort zu sein“,  meinten die Cousinen. „Die     nächste     Poststation     ist     noch     eine     ganze     Weile entfernt“,   erläuterte   der   Kutscher,   „hier   gibt   es   weit   und breit   rein   gar   nichts.   Außer   dieser   Straße“,   fügte   er   noch hinzu.
„Seht mal“, sagte Monika und zeigte zum Horizont. „Du meinst bestimmt die Wolken“, sagte der Kutscher. Dann fiel es auch den anderen auf. Es schienen ganz  besondere  Wolken  zu  sein,  zart  weißlich  mit  seidenem Glanz. „In dieser Richtung liegen die Pixi Mountains“, erklärte der Kutscher. „Und dort fahren wir jetzt durch?“ Fragte Susanne. „Nein“,  sagte  der  Kutscher,  „den  Weg  durch  dieses  Gebirge  kennen   nur   wenige.   Wir   bleiben  auf  unserer Straße.“ „Leben dort Menschen“, fragte Monika neugierig. „Das würde ich so nicht sagen…“, meinte der Kutscher. „Was    soll    das    für    eine    Formulierung    sein?    Wir    wollen sofort    wissen    was    es    mit    diesen    Bergen    auf    sich    hat“, forderte Susanne, „lebt dort wer oder nicht?“ „In    solch    unwirklichen    Gegenden    können    eigentlich    nur noch    die    Mountain    Men    überleben“,    sagte    der    Kutscher und   machte   dann   einen   geheimnisvollen   Gesichtsausdruck, „aber   davon   abgesehen   hat   sich   vor   langer   Zeit   tatsächlich etwas   außergewöhnliches   in   diesen   Bergen   ereignet.   Aber das zu erzählen wäre zu dramatisch.“ „Jetzt nicht weiterzuerzählen wäre dramatisch“, sagte  Susanne in wenig freundlichem Tonfall. „Wir   wollen   die   Geschichte   sofort   erfahren!   Was   hat   sich vor       langer       Zeit       dort       ereignet?       Wir       sind       sehr Dramaresistent“, bedrängte Monika den Kutscher. „Also   gut“,   begann   der  Kutscher  und  alle  spitzten  die Ohren.
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